Osteoporose
Osteoporose - oben die dichte Bälkchenstruktur eines gesunden Knochens, unten ein osteoporotischer Knochen
Was ist Osteoporose?
Wer ist betroffen?
Knochendichtemessung
Wie kann man vorbeugen?
Wie wird behandelt?
Was ist Osteoporose?
Osteoporose ist eine Erkrankung des gesamten Skelettsystems bei dem Knochensubstanz verloren geht. Die Knochen verlieren an Stabilität, brechen oder fallen in sich zusammen. Bereits heftiges Husten kann im fortgeschrittenen Stadium Rippenbrüche auslösen.
An bestimmten Stellen kommt es besonders häufig zu Knochenbrüchen, weil diese besonders stark belastet werden:
Wirbelkörper:
Brüche der Wirbelkörper können starke Rückenschmerzen nach sich ziehen, aber auch schleichend verlaufen, wenn die tragenden Elemente der Wirbelsäule fast schmerzlos kollabieren. Äußerlich sichtbar wird dies an einem Rückgang der Körpergröße. Sind Sie noch so groß, wie in Ihrem Personalausweis steht? Wenn nicht besteht der Verdacht auf Osteoporose.
Oberschenkelhals:
An einer Oberschenkelhalsfraktur sterben letztlich ein Viertel der Betroffenen! Viele bleiben nach einem solchen Bruch bettlägerig.
Knochen sind kein totes Gewebe: Spezialisierte Zellen sind ständig mit Auf- und Ab(!)-bau des Knochen beschäftigt. Der Knochen hat nämlich nicht nur Stützfunktion, sondern dient auch als Speicher für Mineralstoffe wie Calciumphosphat, Calciumcarbonat, Fluoride und Chloride. Sinkt beispielsweise der Calciumspiegel im Blut sorgt der Körper dafür , dass er durch Calciumabbau aus dem Knochen wieder angehoben wird. Die für den Aufbau zuständigen Zellen heißen Osteoblasten, Osteoklasten daagegen bauen Knochensubstanz ab.
Der Knochen ist kein massives Gebilde sondern besteht aus einem schwammartigen, dichten Geflecht mit zahlreichen Querverbindungen (Trabekel). Der osteoporotische Knochen verliert Stabilität und Elastizität durch den Abbau dieses Geflechts.
Solange die Trabekel noch intakt sind, ist ein Wiederaufbau des Knochens noch möglich. Sind die Querverbindungen gebrochen, ist das nicht mehr rückgängig zu machen.
Der Umbau des Knochens geht im Vergleich zu anderen Körpergeweben sehr langsam vor sich: Etwa zehn bis zwölf Jahre dauert es bis die Hälfte des Skeletts umgebaut ist. Die Darmoberfläche wird zum Vergleich alle 2 bis 3 Tage komplett erneuert.
Altersabhängig ändert sich das Verhältnis von Knochenaufbau zu -abbau: Bei Kinder und Jugendlichen überwiegt der Aufbau. Mit ca. 30 Jahren erreicht die Knochenmasse einen Höhepunkt. Von da an überwiegt in der Regel der Knochenabbau. Mit Bewegung, calcium- und vitamin-D-reicher Ernährung kann man diesen Prozess verlangsamen. Je höher die maximal erreichte Knochendichte desto geringer das Risiko einer Osteoporose im Alter. Die Osteoporosevorbeugung fängt daher idealerweise schon im Kindesalter an.
Wer ist betroffen?
In Deutschland leiden zwischen 5 und 7 Millionen Menschen an Osteoporose, bei ca. 2,5 Millionen sind bereits Wirbelkörper gebrochen. Frauen sind durchschnittlich dreimal häufiger betroffen als Männer. Etwa 130.000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Oberschenkelhalsbruch. Viele werden danach zum Pflegefall und sterben letztlich an den Folgen des Knochenbruchs.
Risikofaktoren für die Entstehung von Osteoporose:
- Osteoporose in der Familie
- schlanker Körperbau, besonders gefährdet sind Magersüchtige
- Rauchen
- Alkoholmissbrauch
- wenig Bewegung
- zu geringe Calciumaufnahme
- zu geringe Vitamin D-Aufnahme
- phosphatreiche Ernährung
- sehr frühes Einsetzen der Wechseljahre
- Unterfunktion der Hoden
- Langzeittherapie mit Corticoiden
- hohes Lebensalter
- verschiedene Erkrankungen, z.B. Diabetes mellitus, Tumoren
Knochendichtemessung (Osteodensitometrie)
Verständlicherweise lässt sich die Knochenmasse am lebenden Menschen nicht direkt bestimmen. Ersatzweise wird daher die Messung der Knochendichte herangezogen. Da unterschiedliche Verfahren unterschiedliche Ergebnisse liefern sollten wiederholte Messungen immer mit demselben Gerät an derselben Stelle erfolgen. Die zuverlässigsten Messwerte erhält man durch Messung an den Lendenwirbeln oder am Oberschenkelhals.
Das Ergebnis dieser Messungen ist der T-Wert. Er gibt die Differenz des gemessenen Wertes zum Mittelwert junger, gesunder Erwachsener an.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten der Knochendichtemessung erst nach dem ersten osteoporosebedingten Knochenbruch.
Wie kann man vorbeugen?
Beugen Sie vor: Mit Bewegung und der richtigen Ernährung
Bewegung
Mangelnde Bewegung verstärkt den Knochenabbau. Sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung der Osteoporose ist daher ein Muskeltraining wichtig. Knochenaufbauende Sportarten sind z.B. Walking, Jogging, Ballspiele, Tanzen, entlastende Sportarten wie Schwimmen und Radfahren sind weniger gut geeignet.
Ernährung:
Wichtig ist eine ausreichende Zufuhr von Calcium und Vitamin D. Erwachsene ohne besonderes Osteoporoserisiko brauchen pro Tag 1000 mg Calcium, bei erhöhtem Risiko oder schon eingetretener Osteoporose liegt der Bedarf bei 1200-1500 mg Calcium.
Gute Calciumquellen sind fettarme Milch oder Milchprodukte (Buttermilch, Dickmilch, Kefir, Joghurt) und fettarmer Käse, calciumreiche Mineralwässer (mit mehr als 150 mg Calcium pro Liter), Broccoli, Fenchel, Grünkohl, Lauch
Kohlgemüse und grünes Blattgemüse haben außerdem einen hohen Vitamin K-Gehalt. Eine Unterversorgung mit Vitamin K ist ein Mitverursacher der Osteoporose.
Empfehlenswert sind auch mit Calcium angereicherte Fruchtsäfte.
Gute Vitamin D-Quellen sind Seefische wie Hering, Lachs, Makrele, Heilbutt und Thunfisch. Vitamin D wird außerdem durch die Einwirkung von Sonnenlicht in der Haut gebildet. Bewegung im Freien ist daher doppelt nützlich: Das Vitamin D sorgt für eine bessere Mineralisierung des Knochens, die Beanspruchung der Knochen regt den Knochenaufbau an.
Eine ausreichende tägliche Calciumzufuhr (1330 mg) erreichen Sie z.B. mit der Kombination von einem Viertel Liter Milch, zwei Scheiben Käse, einem Becher Joghurt, einer Portion Brokkoli, und einem halben Liter calciumreichen Mineralwasser
Den Vitamin D-Bedarf decken zwei Fischmahlzeiten pro Woche
Wird der Calciumbedarf nicht durch die Ernährung gedeckt, ist eine Ergänzung von 500 bis 1500 mg Calcium pro Tag durch Tabletten oder Brausetabletten notwendig. Die Aufnahme des Calciums kann verbessert werden, wenn die Calciumdosis über den Tag verteilt wird, z.B. dadurch das die gelöste Brausetablette über den Tag verteilt in kleinen Schlucken getrunken wird.
Für eine ausreichende Vitamin D-Versorgung sind theoretisch 10 Minuten Sonnenbestrahlung von Händen und Gesicht täglich notwendig. Um eine gleichmäßige Versorgung auch in den Wintermonaten sicher zu stellen, ist aber auch hier oft eine Substitution sinnvoll. Dazu bieten sich vor allem Kombinationspräparate mit Calcium und Vitamin D an, die als Brausetabletten oder Tabletten erhältlich sind. Hormone
Bei Frauen in den Wechseljahren wirken Geschlechtshormone vorbeugend.
Calcium, Vitamin D und Geschlechtshormone können den Knochenabbau verlangsamen, aber nicht rückgängig machen!
Therapie
Bisphosphonate:
Zerstören die knochenabbauenden Osteklasten und lassen die knochenaufbauenden Osteoblasten unbeeinflusst. Dadurch nimmt der Knochenaufbau im Vergleich zum Abbau wieder zu.
Wichtig ist die richtige Einnahme um Nebenwirkungen zu vermeiden: Die Tabletten müssen auf nüchternen Magen in aufrechter Haltung mit einem großen Glas Leitungswasser oder Mineralwasser mit niedrigem Calcium- und Magnesiumgehalt mindestens 30 Minuten vor dem ersten Essen oder Trinken. Die Einnahme muss mit einem großen Glas Leitungswasser oder Mineralwasser mit niedrigem Calcium- oder Magnesiumgehalt erfolgen. Calcium oder Magnesium, gleichzeitig zugeführt, führen zur Wirkungslosigkeit der Bisphosphonate, weil diese mit Calcium und Magnesium Komplexe bilden, die vom Körper nicht aufgenommen werden. Danach nicht wieder hinlegen, sonst kann es zu Reizungen der Speiseröhre kommen.
Die Behandlung wird über ein bis drei Jahre geführt und durch Knochendichtemessungen kontrolliert.
Fluoride:
schwierig zu dosieren, bei Überdosierung entsteht ein spröder, minderwertiger Knochen, der in der Knochendichtemessung zwar gute Werte liefert, aber unelastisch und brüchig ist
Schmerztherapie:
Sind bereits Brüche aufgetreten ist oft eine Schmerztherapie nötig:
nichtsteroidale Antirheumatika
Calcitonin: Dieser Wirkstoff hemmt zwar ebenso wie die Bisphosphonate die Arbeit der Osteoklasten, aber in verschiedenen Studien konnte eine Verhinderung von Knochenbrüchen nicht nachgewiesen werden. Calcitonin wird daher heute vor allem wegen seiner zusätzlichen schmerzstillenden Wirkung eingesetzt.
Opioide
zukünftige Entwicklungen:
Parathormon:
Das körpereigene Parathormon wird in den Nebenschilddrüsen gebildet. Es erhöht den Calciumgehalt und vermindert den Phosphatgehalt des Blutes. Momentan wird ein gentechnisch hergestelltes Parathormon entwickelt, das täglich injiziert werden muss und von dem besonders Patienten mit hohem Frakturrisiko profitieren könnten