Milchzuckerunverträglichkeit
Woran merke ich, dass ich eine Milchzuckerunverträglichkeit habe?
30 Minuten bis 4 Stunden nach einer lactosehaltigen (milchzuckerhaltigen) Mahlzeit bemerken Sie ein Rumoren im Bauch, es kann zu Blähungen, Bauchschmerzen, Krämpfen und Durchfall kommen. Das kann bereits in der Kindheit beginnen, aber auch in jedem anderen Lebensalter. Bei kleinen Kindern treten meist Durchfälle auf, manche Kinder nehmen nicht gut an Gewicht zu. Viele Menschen stellen erst mit zunehmendem Alter fest, dass sie Milchprodukte nicht mehr so gut vertragen.
Was ist Lactose und warum kommt es zu diesen Beschwerden?
Lactose ist, wie der Name Milchzucker schon andeutet, der wichtigste Zucker in der Milch von Säugetieren, also auch bei Kühen und Menschen. Lactose ist ein Zucker, der aus zwei Einfachzuckern (Monosacchariden) zusammengestzt ist. Er muss aufgespalten werden, damit die Dünndarmschleimhaut ihn aufnehmen kann. Im Darm wird Lactose durch das Enzym Lactase in die zwei Bausteine, Glucose (Traubenzucker) und Galaktose, gespalten. Produziert der Körper keine ausreichenden Mengen an Lactase, dann wird Lactose nicht komplett im Dünndarm abgebaut und verdaut sondern gelangt in den Dickdarm. Dort zieht sie Wasser in den Darm (auch manche Abführmittel wirken so) und wird zum Teil von Bakterien abgebaut, wobei Gase entstehen. Das Resultat sind die oben genannten Beschwerden.
Welche Lebensmittel enthalten Milchzucker?
Normalerweise kommt Milchzucker nur in Milch und Milchprodukten vor. Viele verarbeitete Lebensmittel enthalten allerdings Milch und Milchprodukte, ohne dass man ihnen das sofort ansieht. Dazu gehören z.B. Schokolade und Nougat, aber auch Süßstofftabletten, Medikamente (Tabletten), Zahnpasta und Gewürzmischungen. Achten Sie daher auf die Zutatenliste! Die Anordnung der Bestandteile auf dieser Zutatenliste erfolgt nach Menge, d.h. der erstgenannte Bestandteile hat den größten Anteil, der letztgenannte den geringsten. Einige Milchprodukte enthalten dagegen überraschend wenig Lactose, weil diese bei der Herstellung durch Bakterien abgebaut wird. Dies ist z.B. bei reifem Käse der Fall, der deshalb von Menschen mit Lactasemangel besser vertragen wird als junger Käse. Auch Joghurt vertragen die meisten Menschen mit einer Milchzuckerunverträglichkeit, weil die Mikroorganismen, die im Joghurt enthalten sind Lactase enthalten, die im Darm freigesetzt wird und die im Joghurt enthaltene Lactose spaltet. Der Joghurt darf nicht wärmebehandelt sein, weil die Lactase dabei zerstört wird.
Ist Lactoseintoleranz dasselbe wie Milchallergie?
Lactoseintoleranz ist keine Allergie. Die Unverträglichkeit ist nur auf das Fehlen oder den Mangel eines Enzyms zurückzuführen. Wird dieses ersetzt, wird Milch wieder problemlos vertragen. Eine Milchallergie ist dagegen eine Reaktion des Immunsystems auf Milcheiweiss. Dann muss bei der Diät auf sämtliche Milchprodukte verzichtet werden.
Warum kommt es zur Lactoseintoleranz?
Lactoseintoleranz kann genetisch bedingt sein. In Deutschland sind ca. 10% der Bevölkerung betroffen, in Afrika und China sind es bis zu 90%! Vererbte Milchzuckerunverträglichkeit kann auch bei Kindern auftreten, deren Eltern Lactose problemlos vertragen.
Häufig lässt die Lactaseproduktion mit dem Alter nach und Milchprodukte werden zunehmend schlechter vertragen.
Lactoseintoleranz tritt aber auch als Folge von anderen Erkrankungen wie Glutenintoleranz (Zöliakie), diversen Darmerkrankungen und Allergien und vorübergehend nach Magen-Darm-Infekten auf. Verschwinden die Beschwerden unter einer komplett milchzuckerfreien Diät nicht, sollte man den Arzt aufsuchen um abzuklären, ob die Laktoseintoleranz Symptom einer anderen Darmerkrankung ist.
Lactosegehalt von Lebensmitteln je 100g
| Nougat | 25g |
| Milchschokolade | 10g |
| Milchspeiseeis | 6-7g |
| Frauenmilch | 7g |
| Kuhmilch | 5g |
| Sauermilchprodukte | 4-5g |
| Speisequark mager | 3-4g |
| Käse jung | 1-4g |
| Käse reif | 0,1g |
| manche Wurstsorten | 1-4g |
Müssen Menschen mit Lactasemangel Milch und Milchprodukte völlig meiden?
Nein. Die meisten Menschen mit Lactoseintoleranz produzieren im Darm eine Restmenge an Lactase, so daß sie kleinere Mengen Lactose durchaus vertragen. An die richtige Menge muß sich dabei jeder selber vorsichtig herantasten. Der Lactosegehalt von Lebensmitteln kann mit Hilfe der Tabelle abgeschätzt werden. Die Lactose als Hilfsstoff in Tabletten bereitet wegen der geringen Menge meistens keine Probleme. Wenn doch muss man auf lactosefreie Zubereitungen wie Kapseln, Tropfen u.ä. ausweichen.
Man kann die fehlende Lactase aber auch von außen zuführen. Dafür gibt es spezielle Präparate in der Apotheke (z.B. Kerutabs Tabletten, Kerulac Tropfen, Laluk Kautabletten, Lactrase Kapseln). Bei der Dosierung sollte man sich zunächst an den Herstellervorschlägen orientieren und nach und nach den eigenen, individuellen Bedarf austesten. Dabei muss auch der Lactosegehalt der Speisen berücksichtigt werden.
Lohnenswert ist bei nachlassender Lactaseproduktion der Versuch diese durch langsame Steigerung der Lactosezufuhr wieder anzuregen.
Welche gesundheitlichen Nachteile hat eine Ernährung ohne Milch und Milchprodukte?
Milch ist in unserer Ernährung eine der wichtigsten Calciumquellen. Täglich braucht ein Erwachsener mindestens 1g (1000 mg) Calcium und ein Liter Milch deckt diesen Bedarf mit einem Gehalt von 1,2 g Calcium vollständig ab. Testen Sie zunächst bei einer Milchzuckerunverträglichkeit, ob Sie nicht doch reifen Käse oder Joghurt vertragen, eventuell unter zusätzlicher Gabe von Lactasetabletten. Joghurt, Kefir und Buttermilch werden oft trotz ihres Lactosegehaltes vertragen, weil die darin enthaltenen Bakterien den Milchzucker spalten. Bevorzugen Sie außerdem pflanzliche Nahrungsmittel mit einem höheren Calciumgehalt (s. Tabelle). Wählen Sie als Getränk ein Mineralwasser mit hohem Calciumgehalt. 1,5 Liter Gerolsteiner Mineralwasser decken z.B. ungefähr die Hälfte des täglichen Calciumbedarfs. Läßt sich durch diese Maßnahmen eine ausreichende Calciumzufuhr nicht sicherstellen, nehmen Sie zusätzlich Calciumpräparate ein. Das gilt besonders für Zeiten erhöhten Calciumbedarfs wie Schwangerschaft und Stillzeit.
Calciumgehalt von Mineralwässern in mg/l
| Luisenbrunnen | 367 |
| Gerolsteiner Sprudel | 347 |
| Gerolsteiner Stille Quelle | 337 |
| Perrier | 147 |
| Heppinger | 116 |
| Apollinaris | 90 |
| Christinenbrunnen | 15 |
| Volvic | 10 |
Calciumreiche pflanzliche Nahrungsmittel
| Broccoli 200g | 230mg Calcium |
| Grünkohl 200g | 460mg |
| Lauch / Porree 200g | 240mg |
| weiße Bohnen 200g | 226mg |
| Tofu 100g | 106mg |
| Mandeln 100g | 252mg |
| Haselnüsse 100g | 225mg |
